Alina am Brunnen

Seit ich in der bunten Stadt Linz am Rhein gelandet bin, ist mein absoluter Lieblingsort ein kleiner Platz an der evangelischen Kirche. Zwei von Rosenstöcken umrahmte Bänke laden zum Verweilen ein. An diesem lauschigen Ort komme ich beim Plätschern eines kleinen Springbrunnens zur Ruhe.
Hier sitze ich oft – genieße die Stille im Schatten der Kirche, schaue den Wolken nach, atme den Duft der Rosen und den Sauerstoff der Bäume ein. Das tut mir, meiner Seele und meiner Lunge gut. Ich kann einfach dasitzen, den Wolken nachschauen und die Sonnenstrahlen auf meiner Haut genießen.
Ich kann Kontakte knüpfen mit Menschen jeden Alters, die mir sympathisch sind – zum Beispiel bei meiner zufälligen Begegnung mit Alina, die an einem sonnigen Septembertag auf einer der beiden Holzbänke sitzt. Auf meine Frage, ob sie öfter hierherkomme, antwortet die 13-jährige freundlich lächelnd: „Nee. Eigentlich nicht.“ Sie warte nur auf ihre Mutter, die zum Einkauf in der Stadt unterwegs sei.
Während ich mir eine Zigarette anzünde, erzählt sie mir, dass ihre Mutter das Rauchen aufgegeben habe, dass ihr die Schule mehr oder weniger Spaß mache, dass sie gerne einen Hund hätte, Vater es aber nicht erlaube, dass sie nach der Schule einen schönen Beruf erlernen möchte – vielleicht Journalistin oder so, weil man da bestimmt viel von der Welt sehen und jede Menge interessante Leute treffen würde. Und „Ach ja, ich finde Rauchen doof. Wegen Lungenkrebs und so.“
Alina greift in den Beutel, der neben ihr liegt, und nimmt nicht, wie ich vermutet habe, ein Smartphone heraus, sondern einen Zeichenblock und Malstifte. „Ich male und zeichne gerne“. Ihr Blick fällt auf den sprudelnden Steinbrunnen, wandert zum Blatt auf ihrem Schoß, dann wieder zum Brunnen und so geht es weiter hin und her. Ich sehe ihr die Freude beim Zeichnen und Malen an. „Fertig“, sagt sie. „Lass mal sehen!“ sage ich.
Sie zeigt mir lachend das Ergebnis ihrer Arbeit. Es ist mehr als nur einfach buntes Gekritzel auf Papier, es ist ein kleines Kunstwerk. Meine Komplimente über ihr Talent registriert sie lachend mit einem „Na ja, geht so“. Dann packt sie Block und Stifte wieder in den Beutel, wischt das Pony aus der Stirn, erhebt sich von der Bank und verabschiedet sich mit einem kurzen „Tschüss! Mama kommt.“
Alina geht und ich bin geflasht von dieser kurzen Begegnung. Die Ausstrahlung, die Offenheit, die Kreativität und das Lachen dieses Mädchens haben mich echt berührt. Einer jener besonderen Momente, die im Gedächtnis bleiben.
AUS DEM LEBEN EINES FISCHES… MOMENTE UND MEHR
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