Im Reich der Mitte

Augenblicke … irgendwo in China ….

… Beiderseits der Straße stehen Weidenbäume. Jedes Stück Land scheint hier kultiviert zu sein. Männer und Frauen arbeiten auf dem Feld oder transportieren auf dem Fahrrad ihren Freund oder Gemüse. Lachende Kinder spielen auf der Straße.

… In der Halle des Volkes am Tian´anmen-Platz spaziere ich am Leichnam Mao Tse-tung´s vorbei. Um mich ernste Gesichter und erstaunte Blicke. Mein Blick geht zur offenen Bahre – der Große Vorsitzende sieht aus wie ein liegender Buddha in einem gläsernen Sarg.

… Am Rand des künstlichen Sees sitzen Familien auf Steinen, Brückengeländern und den Balustraden des überdachten Wandelgangs. Kinder mit bunten Luftballons in den Händen und Schleifen im Haar.

… Unsere Dolmetscherin Djang Fe ist 27 Jahre alt, hat in Kanton studiert und zwei Jahre auf dem Land gearbeitet. Sie lacht immer, spricht hervorragend Deutsch und stimmt bei einer nächtlichen Bootsfahrt auf dem Li-Fluss plötzlich das Loreley-Lied an: „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“.

… An den grauen Mauern der Landwirtschafts-Kommune prangen Schriftzeichen und rote Banner. Vor die mit Ziegelsteinen oder Baumwolle beladenen Karren sind Ochsen, Pferde und Kamele gespannt. Oft werden sie auch von Menschen, darunter viele Frauen, gezogen.

… Die Sitze im Sonderwagen-Abteil sind mit Spitzendeckchen geschmückt. Auf dem Tisch ebenfalls Deckchen und darauf vier Teetassen. Der Ventilator summt laut und aus einem Lautsprecher tönt Musik wie Katzenjammer.. Am Abend gibt es im Speisewagen ein opulentes Mahl – Salate, Gemüse, Krabben, Fleisch und Suppe,

.,. Seit Generationen wird in China Reis angebaut. Hier im Süden werden die Reisfelder aus künstlich angelegten Teichen bewässert. Wasserbüffel ziehen den Pflug – dahinter die Männer und Frauen mit ihren großen Tellerhüten.

… Ich höre Schüsse und sehe auf einer Wiese am Ufer des Flusses uniformierte Mädchen und Frauen mit Gewehren und umgeschnallten Munitionsgürteln – ein Trupp der Volksmiliz bei Schießübungen. Auf dem Fluss ein großer Dampfer, kleine Hausboote und Dschunken. Und von irgendwoher Klänge einer Peking Oper.

… Auf der Bühne ein 7-jähriger Knirps mit einer chinesischen Geige. Er entlockt dem zweisaitigen Streichinstrument mit Finger und Bogen leise bis schrille Töne. Ein bittersüßes Jammern. Am Ende der Vorstellung hebt er lässig die Hand und verbeugt sich artig.