Ein Märchen ohne Happy End
Es war einmal ein kleiner Junge. Der saß auf dem Schoß seiner Mutter und wurde gefüttert. Ein süßes Mädchen mit blonden Locken schaute zu. „Mama, weshalb spuckt der das wieder aus? Schmeckt der Brei nicht?“ Der Vater kam zur Tür herein und sagte: „Er ist noch so klein. Er lernt noch essen.“
Die Mutter war stolz auf den Jungen. Das Mädchen dachte, mein Bruder ist ein Schlawiner Die Oma fand ihn einfach „goldig“ und für die Tante war er „Dä schönste Jung von Porz“. Nur Onkel Karl-Heinz fiel irgendwann auf: „Mit dem Jungen stimmt etwas nicht.
Mit vier Jahren konnte er immer noch nicht alleine essen und brach jede Nahrung sofort wieder aus. Er konnte nicht sprechen, nicht krabbeln, nicht laufen. Die Ärzte stellten fest, dass er sehr krank war. Er war von Geburt an geistig und körperlich behindert. Und niemand wusste wieso.
Für die Oma war er nach wie vor ein Goldstück, für die Tante jetzt nur noch „dä ärme Jung“. Die Mutter war sehr traurig, aber sie fütterte und pflegte den Jungen weiter. Die große Schwester half ihr dabei, so gut es ging. „Guck mal, Papa, er lacht! Eine Minute später: „Oh je, jetzt kotzt er wieder.“
„Der Junge gehört in ein Heim“, sagte der Vater. Er konnte den Geruch der Kotze nicht mehr ertragen. „Nein, kommt gar nicht in Frage!“ Oma und Tante waren entsetzt. „Wir schaffen das schon“, sagte die Mutter. „Wir brauchen nur eine größere Wohnung“. Der Vater überlegte und überlegte: „Ähh, mmh, ja, vielleicht, mal sehen, okay!“
Sie zogen in ein kleines Haus mit Garten. Beide Kinder hatten jetzt ein eigenes Zimmer, die Mutter eine Hollywoodschaukel und der Vater eine Kellerbar. Alle waren happy. Auch der neue vierbeinige Freund im Haus. Das Mädchen ging aufs Gymnasium. Die Mutter studierte. Der Vater arbeitete. Der Junge saß im Hochstuhl. Der Hund lag neben ihm.
Und sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage. Stopp! Die Eltern trennten sich. Die Mutter zog mit Tochter und Sohn in die alte Wohnung zurück. Heute hat sie mich angerufen. „Der Junge ist gestorben.“ Er hieß Dirk und war unser Sohn.
AUS DEM LEBEN EINES FISCHES… MOMENTE UND MEHR