Ein Fisch namens Rolf
Ich heiße Rolf und bin im Sternzeichen der Fische geboren. Ich glaube zwar nach wie vor nicht an Astrologie, halte sie aber auch nicht für reinen Hokuspokus. Horoskope können sicher nicht den Charakter eines Menschen beschreiben oder die Zukunft vorhersagen. Sie können aber durchaus helfen, uns selbst ein wenig besser kennenzulernen – nicht zuletzt, weil Fische-Geborene und echte Fische vieles gemeinsam haben.

Kluge Forscher haben nämlich herausgefunden, dass Fische genau wie Fischgeborene generell freundlich, neugierig, clever, gefühlvoll und loyal sind. Sie sind gesellig und kommunikativ, arbeiten gern im Team und lassen Freunde nicht im Stich. Sie mögen und suchen den Körperkontakt, haben ein spannendes Sexualleben und erstaunlicherweise mehr als nur ein Drei-Sekunden-Gedächtnis. Das alles kommt mir sehr bekannt vor.
Natürlich gibt es unter den Fischen auch völlig verschiedene Typen. Da finden wir wie bei den Menschen risikofreudige und ängstliche, sanfte und raubeinige Kameraden. Die einen fühlen sich im Schwarm am wohlsten, andere schwimmen auch gerne mal alleine drauflos. Manche wissen sogar genau, wann sie sich danebenbenehmen dürfen und wann nicht.
Echte Fische verfügen sogar über ein äußerst sensibles Empfindungs- und Radarsystem. Ganz ähnlich besitzen Fische-Geborene eine Art sechsten Sinn. Oft wissen sie schon vorher, was auf sie zukommt. Sie denken an einen anderen Menschen und genau in diesem Moment ruft dieser an. Oder sie haben eine verrückte Idee, die sie trotz aller Unkenrufes sofort mit Erfolg umsetzen – auch neue Geschäftsideen. Pech nur oder auch Glück, dass der „Hippie“ unter den Sternzeichen, die schnell verdienten Kröten genauso schnell wieder ausgibt. Mit dem Wissen, dass Geld fließen muss, und mit der persönlichen Erfahrung, dass der Himmel gut für ihn sorgt.
Ich sitze wieder einmal am Rhein. Die Sonne strahlt über dem Fluss. Frachtschiffe und ein Passagierdampfer der KD ziehen vorbei. Ich höre Kindergeschrei aus dem Park hinter mir. Junge Mütter schieben ihre Kinderwagen vor sich her, ein etwas älterer Herr seinen Rollator. Er läuft vornüber gebeugt hinter seinem vollgepackten Wägelchen grußlos schnaubend an mir vorbei. Dabei schnappt er wie ein Fisch nach Luft.
Wenn dieser Mensch auch ein Fisch ist, dann ist er heute einfach nicht gut drauf, denke ich so bei mir. Entweder hat er irgendwelche Schmerzen – ja, auch Fische fühlen Schmerz – oder das Leben hat ihn schlecht behandelt. Vielleicht ist er aber auch kein Fisch, sondern Wassermann oder ein von Natur aus eigenbrötlerischer Steinbock. Wie auch immer, er hat mein Mitgefühl. Fische reagieren auch emotional – manchmal sogar zu stark.
Die Sonne ist hinter einer grauen Wolke verschwunden, eine leichte Brise kommt auf und der alte Mann ist mit seinem Rolli wahrscheinlich angekommen – wo und wie auch immer. Und ich frage mich gerade: Wie alt werden eigentlich Fische und zu welcher Sorte Fisch gehöre ich? Zwei Fragen, die sich nicht so einfach beantworten lassen.
Selbst Ichthyologen (Deutsch: studierte Fischkundler) wissen bisher nur, dass große Fische meist älter werden als kleine Fische, und dass die Lebenserwartung je nach Fischart, Umständen und Bedingungen zwischen wenigen Monaten und vielen Jahren liegen kann. Sie haben festgestellt, dass statistisch gesehen Fische die am wenigsten überfahrenen Tiere sind. Und dass kleine Moorkarpfen, von denen unsere Zier-Goldfische abstammen, im Rausch auch den härtesten Winter überstehen – mit einem Blutalkoholspiegel, der über Monate hinweg höher ist als die Polizei erlaubt.
Wenn ich jetzt noch einmal genau überlege, einen Ausflug in die Kindheit und in meine „alkoholische“ Periode mache, gibt es auf meine Fragen nur eine schlüssige Antwort: „Ich bin ein Glücksfisch und werde 103 Jahre alt.“
AUS DEM LEBEN EINES FISCHES… MOMENTE UND MEHR
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