Alles Funky
Fische im Allgemeinen sind neugierig, Journalisten auch. Aus reiner Neugierde folgte ich einer Einladung der Mannesmann Mobilfunk GmbH zu einer Pressekonferenz. Thema: Der Start von D2. Nein, es handelte sich nicht um eine neue Raumfahrtmission, sondern um das erste private Mobilfunk-Netz in Deutschland. Es war der Start in ein neues Zeitalter der Kommunikation. Der Siegeszug des Handys begann.

Im noch jungen Mobilfunkmarkt ging die Post ab – obwohl die ersten Mobiltelefone den Namen „Handy“ kaum verdienten. Es waren unhandliche schwere Knochen, denen nach einer halben Stunde der Saft ausging und die so viel kostete wie ein gebrauchter Kleinwagen. Das konnten sich nur betuchte Mitbürger leisten. Oder Promis und Journalisten, die Testgeräte zu Werbezwecken kostenlos erhielten. Das neue „Spielzeug“ zog überall ebenso erstaunte wie begehrliche Blicke an – besonders dann, wenn es klingelte.
Ich hatte null Ahnung von Telefon und Technik. Aber ich wusste, wie Zeitungen und Zeitschriften gemacht werden, Und ich spürte, dass den Handys die Zukunft gehörte. Was macht ein Fische-Mann? Er kündigt seinen Verlagsjob und bastelt zuhause am Küchentisch eine eigene Zeitschrift.
Zur CeBIT´95 erscheint die erste Ausgabe von „Funky“ mit Tipps für Einsteiger und dem Top-Thema „Alles Handy oder was?“. Aus der Ein-Mann-Redaktion zwischen Kochtopf und Küchentisch wird in kurzer Zeit ein Zeitschriften-Verlag mit allem, was dazu gehört: Redaktion, Anzeigenabteilung, Produktion und Vertrieb. “Funky“ wird Deutschlands führendes Handy- und Mobilfunkmagazin.

Dabei überlasse ich zeitraubende und nervtötende Sachen wie Kauf und Einrichtung eines Wohn- und Verlagshauses, Kreditaufnahmen, Lohnabrechnungen und den ganzen Steuerkram gerne meiner lieben Frau. Ich sehe meine Aufgabe darin, ein Team von kompetenten, festen und freien Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zusammenzustellen und bei guter Laune zu halten. Ein Herausgeber und Chefredakteur kann sich nicht um alles kümmern und ein Fisch, für den Geld nur Mittel zum Zweck ist, braucht nun mal eine Partnerin an seiner Seite, die ihn finanziellen Angelegenheiten unterstützt. Und Monika ist nun mal schließlich gelernte Buchhalterin.
So weit, so gut. Die schlechte Nachricht: „Funky“ gibt es nicht mehr. Der Verlag hat Insolvenz angemeldet. Monika arbeitet jetzt beim Deutschen Roten Kreuz. Und für mich ist Gewinn-Verlust-Rechnung nach wie vor ein Fremdwort. Was soll´s? Egal. „Don´t worry, be funky. “
AUS DEM LEBEN EINES FISCHES… MOMENTE UND MEHR
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