Das Rheinische Grundgesetz
Wie jeder echte Rheinländer genieße ich das Leben und die Harmonie. Wenn es eines gibt, was ich nicht abkann, dann ist es Streit. Deshalb versuche ich – typisch Fisch – seit jeher, Ärger um jeden Preis zu umgehen. und gesetzestreu zu leben. Ein schwieriges Unterfangen angesichts von mehr als 100 000 Gesetzen und Verordnungen.
Auch Fische-Geborene fahren manchmal schneller als die Polizei erlaubt, klauen Handtücher aus Hotels und betrügen bei der Steuererklärung. So habe auch ich mehr als nur einmal mit einem Bein im Knast gestanden. In erster Linie war für mich persönlich in allen Lebenslagen das „Rheinische Grundgesetz“ maßgebend und lebensbestimmend. Es beinhaltet alles, was wir im Alltag und im praktischen Umgang mit anderen benötigen – Lebensweisheiten, die das Miteinander erleichtern und sich überall auf dieser Welt schon hunderttausendfach bewährt haben.
Kernstück sind die „Kölner Zehn Gebote“, die fast so alt sind wie die biblischen Gebote, aber nie in Stein gemeißelt wurden. Das war und ist auch nicht nötig. Denn dieses Gesetzeswerk enthält keine Verbote sondern nur vernünftige und sinnvolle Gebote, die zudem noch jedem Individuum einen vernünftigen Spielraum gewähren. So bleibt es jedem Einzelnen selbst überlassen, wie er die einzelnen Artikel auslegt, um in der Praxis selbst herauszufinden, was im Einzelfall gemeint und wozu es gut ist.
Warum? Weil jeder Mensch anders gestrickt ist und anders funktioniert. Niemand soll und kann einem anderen vorschreiben, was er zu denken oder zu glauben hat, wie er sein Leben zu gestalten hat. Kurz gesagt: „Jede Jeck es anders.“ Jeder Narr ist anders. Deshalb sollten wir nicht nur die Menschen, sondern auch die Dinge erst einmal so hinnehmen wie sie sind, statt uns selber etwas vorzumachen oder in Nachbars Garten zu blicken. „Et es wie et es.“ Es ist, wie es ist.
Es bringt uns auch nichts, wenn wir uns ständig darüber den Kopf zerbrechen, was morgen sein wird. Wir quälen uns nur selbst. Wir bremsen uns selbst aus – nicht nur für heute, sondern auch für morgen. „Et kütt wie et kütt.“ Es kommt, wie es kommt.
Bei mir kamen die Masern, eine akute Blinddarmdurchbruch und ein lebensgefährlicher Darmverschluss. Ich wurde von einem Auto überrollt und bin fast mit dem Flugzeug abgestürzt. Aber ich habe alle Krankheiten und Unfälle, Notoperationen und Notlandungen ohne großen Schaden überlebt. „Et hätt noch immer joot jejange.“ Es ist noch immer gut gegangen.
Ob gut oder schlecht – was gestern war, ist vorbei. Wenn wir Vergangenem nachtrauern oder Verlorenem nachjammern, verschwenden wir nur unnötig Energien und versperren uns selbst den Blick nach vorne. „Wat fott es, es fott.“ Was fort ist, ist fort.
Nichts bleibt, wie es war. Und das ist auch gut so. Ohne Veränderungen würden wir unser ganzes Leben lang nur auf der Stelle treten, es gäbe es keine Weiterentwicklung. Jede Veränderung birgt neue Möglichkeiten in sich. „Nix bliev, wie et woor.“ Nichts bleibt wie es war.
Bei aller Liebe zur Veränderung sollten wir bodenständig bleiben und an Bewährtem festhalten, so lange es uns hilft. Vor allem sollten wir uns selber treu bleiben, nicht jedem Trend hinterherlaufen und nicht alles akzeptieren, nur weil es neu ist. „Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet.“ Kennen wir nicht, brauchen wir nicht, weg damit.
Rheinländer sind von Natur aus gemütlich und gelassen. Gelassenheit ist eine Lebenskunst, die jeder lernen kann und üben sollte – im wahrsten Sinne des Wortes. Auch wenn es zum Beispiel oft nicht einfach ist, Dinge zu akzeptieren, die wir nicht ändern können. „Wat wellste maache?“ Was willst du machen?
Die Antwort: Ganz einfach das Leben in vollen Zügen genießen und Spaß am Leben haben. Doch zuviel ist ungesund, egal ob es sich um Essen, Trinken oder Sex handelt. Lieber ein bisschen weniger von allem, dafür aber mit mehr Genuss. Also: „Mach et joot, ävver nit ze off.“ Mach es gut, aber nicht zu oft.
Bei allem sollten wir den Sinn der Dinge sowie auch uns selbst und unser Verhalten hinterfragen. Bevor wie etwas tun oder lassen heißt die alles entscheidende Frage: „Wat soll dä Quatsch?“ Was soll der Blödsinn?
Wohl nirgendwo in Deutschland sind die Menschen so offen und tolerant wie im Rheinland. Jeder ist überall willkommen, sei es auf der Arbeit oder in der Kneipe. Keiner muss im Abseits stehen, egal woher er kommt. Er gehört sofort einfach dazu – ob er will oder nicht. „Drinkste ene met?“ Trinkst du einen (Schluck) mit.
Das Leben ist nicht immer ein Vergnügen. Es läuft nicht immer so, wie wir es uns vorstellen. Diese Erfahrung macht wohl jeder von uns irgendwann und irgendwie. Aber egal, was auch immer passiert: Es gibt nichts, über das wir nicht lachen können. Lachen ist die beste Medizin – selbst oder gerade dann, wenn eigentlich alles eher zum Heulen ist. „Do laachste dich kapott.“ Da lachst du dich kaputt.

AUS DEM LEBEN EINES FISCHES… MOMENTE UND MEHR
Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.