Heimat
Was ist Heimat? Für den einen ist es der Geburtsort, für einen anderen das Elternhaus, für viele ist es der Wohnort, eine vertraute Landschaft oder eine gemeinsame Sprache, Familie oder Freunde. Ja, Heimat kann alles sein – für mich war und ist es vor allem ein Gefühl.

Es soll Menschen geben, die in einem Dorf groß geworden sind und immer noch dort wohnen. Ich bin in einem kleinen Dorf am Rhein aufgewachsen. Mir war schon früh klar, dass ich dort nicht bleiben würde. Aber genau so klar war, dass ich einmal Pastor, Arzt oder Bürgermeister werden wollte. Es waren die Dorfgrößen, mit denen mein Großvater, der Dorfschullehrer, regelmäßig am Sonntagmorgen nach dem Hochamt bei Bier und Skat in der Dorfkneipe saß.
Ja, man war gottesfürchtig und hatte noch Respekt vor diesen Personen. Vor meinem Großvater standen die Schüler stramm, wenn er den Klassenraum betrat. Was der Pastor von der Kanzel und im Religionsunterricht von sich gab, war Gesetz. Vor dem Bürgermeister zogen die Menschen auf der Straße ihre Hüte und Mützen. Und wenn der Arzt ins Haus kam, hofften alle auf seine Kunst und Gottes Beistand.
Meine Großeltern bemühten sich, mich ordentlich zu erziehen. Doch Kinder brauchen in erster Linie Menschen, die ihnen den Weg zeigen. Meine Großeltern konnten es nicht. Meine Eltern ohnehin nicht. Ich sah sie ja nur zu Ostern und Weihnachten. Und als ich nach dem Tod meiner Großmutter zu ihnen zog, ließen sie mir jede Freiheit, aber auch das Gefühl, dass sie nach wie vor keine Zeit für mich hatten. Nun gut, so habe ich mir meinen Weg ins Leben selber suchen müssen. Dieser Weg hat mich durch Höhen und Tiefen geführt – immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen, neuen Abenteuern, neuen Freunden und nach mir selbst.
Im Lauf der Jahre war ich in vielen Jobs und Ländern unterwegs. Ich habe festgestellt, dass ich mich überall wohl fühle, wo ich Menschen treffe, die ich mag und die mich mögen, wo ich mich einbringen und entfalten kann – ob am Gelben Fluss oder am Roten Meer, ob an der spanischen oder französischen Küste, ob in den Pyrenäen oder den Rocky Mountains. Doch mich hat es immer wieder zurück an den Rhein gezogen. Warum? Ganz einfach, weil ich Rheinländer und ein Fisch bin.
Rheinländer zu sein ist weniger eine Frage des Geburts- oder Wohnortes, sondern mehr Ausdruck eines Lebensgefühls, das durch eine weltoffene Lässigkeit und gleichzeitig eine enge Verbundenheit zur Heimat geprägt ist. Rheinländer sind auf der ganzen Welt zuhause und tragen dabei immer die Heimat im Herzen. Heute wohne und lebe ich wieder direkt am und an manchen Tagen im Rhein.


AUS DEM LEBEN EINES FISCHES… MOMENTE UND MEHR
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