Klassentreffen
Klassentreffen können spannend und amüsant sein. Oder langweilig und nervtötend. In jedem Fall ist es immer ein Erlebnis, ein Erinnern und Entdecken, ein gemeinsames Eintauchen in „alte Zeiten“. Gestern – am Tag des 60-jährigen Jubiläums unseres Abis – habe ich die ehemaligen Klassenkameraden in Bonn wieder einmal getroffen.

Nach dem Mittagessen im historischen Restaurant „Em Höttche“ am Markt stand ein Besuch des Beethoven Gymnasiums an. Die Führung durch die alte Penne direkt am Rhein und die anschließende Bewirtung mit einem Glas Rotwein vom schuleigenen Weinberg – alles wie vor zehn Jahren. Nur der Schuldirektor war neu. Danach ging es mit der Stadtbahn vom Juridicum in die Rheinaue. Im Restaurant des Freizeitparks verbrachten wir den weiteren Nachmittag bei Kaffee und Kuchen, Kölsch und Pils, Wasser und Wein – je nach Gusto und Geschmack – und, wie bei Treffen von alten Kameraden üblich, mit dem Austausch von Erinnerungen an die Schulzeit.
Wir sind alle zu Kriegszeiten geboren, in Trümmern aufgewachsen, haben Not und Mangel erlebt und sind mehr oder weniger zufällig nach Bonn gekommen. Auf einem humanistischen Gymnasium haben beliebte und weniger beliebte Lehrer in mehr oder weniger geliebten Fächern versucht, uns zu mündigen Bürgern zu erziehen. Fast alle von uns haben nach einem Studium in ihren jeweiligen Berufen eine erfolgreiche Karriere hinter sich gebracht.

Nicht nur unsere Haarpracht hat sich mit den Jahren gelichtet. Die noch vorhandenen Haare der „Überlebenden“ sind weiß, die Falten im Gesicht nicht zu übersehen und der eine oder der andere von uns hüpft nicht mehr so munter wie früher durch die Gegend. Doch die Gesichter und Gesten sind vertraut. Und auch die Charaktere haben sich kaum verändert.
Heinz-Ottmar wirkt ruhig, überlegt und besonnen wie eh und je. Rainer strahlt nach wie vor unbändigen Optimismus aus. Werner´s Art, die Dinge zu erklären, ist gewohnt pointiert und zielsicher. Henning kann immer noch mit Charme und Witz (fast) jeden von seiner Meinung überzeugen. Der eine Wolfgang lässt unverändert seine unternehmerische Ader aufblitzen, der andere Wolfgang seinen ausgeprägten Familiensinn. Peter hatte schon immer einen gewissen professoralen Zug. Und „Carlos“ hat seine rheinische Mentalität behalten. „Et kütt, wie et kütt“.
„Mein Auto, mein Haus, meine Jacht“ – bei unseren Klassentreffen gab es das zum Glück nie. Unsere Themen waren: Mathe, Physik und Chemie bei Herrn Sadée. Kunst und Banjo im Keller bei Scholle. Die Klassenfahrt nach Paris und die täglichen Fußballspiele im Klassenraum. So auch gestern. Es war einmal mehr ein spannendes Erinnerungspuzzle, diesmal zusätzlich angeregt durch eine Diashow. „Mann, weißt du noch?“ „Klar, das war doch…“ „Wie hieß noch mal der Bio-Mensch?“ “Ja, genau!“
Heute habe ich meinem Sohn von meinem gestrigen Erlebnis erzählt. Und dass ich mich auf das nächste Klassentreffen freue. „Wie, so etwas gibt es noch?“ Kopfschütteln und Erstaunen! Kein Wunder: Vor 50 Jahren wurde der gemeinsame Klassenverband in der Oberstufe abgeschafft.
AUS DEM LEBEN EINES FISCHES… MOMENTE UND MEHR
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