Einfach loslassen
Heute morgen beim Frühstück fiel mein Blick wieder auf meinen Geldbaum. Der steht jetzt auf der Fensterbank und sieht seit Wochen verdammt schlecht aus. Er hat mehr und mehr Blätter und Äste verloren. Und er hat auch schon lange keine Blüten mehr. Dabei habe ich ihn so warm wie möglich gehalten und auch täglich ordentlich mit Wasser versorgt.. Offensichtlich mehr, als er vertragen kann: Es ist vorbei mit ihm.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ein Verlust schmerzhaft sein kann – außer es handelt sich um einen entzündeten Blinddarm oder ein Stück verfaulter Darm. Und ja, auch ein Abschied von einer geliebten Pflanze tut weh. Doch vorbei ist vorbei.
Verlorenen Dingen hinterher zu jammern, bringt sie nicht zurück. Und ein Abschied kann immer auch ein neuer Anfang sein. Aber nur wenn wir lernen loszulassen, uns von Dingen zu trennen statt an ihnen festzuhalten – sei es eine verwelkte Blüte oder eine verlorene Liebe, seien es Gedanken oder Gefühle, an die wir uns oft verzweifelt klammern.
Es gibt einen schwierigen und einen leichten Weg, um zu bekommen, was wir wollen. Klammern und Jammern lähmt. Im Loslassen liegt eine magische Kraft. Wir schauen nach vorne und manchmal bekommen wir, was wir wollen, kurz nachdem wir losgelassen haben. Manchmal dauert es etwas länger. Manchmal geht ein Wunsch anders in Erfüllung, als wir es uns vorgestellt haben. Und nicht selten ist das Ergebnis besser, als wir es in unseren kühnsten Träumen ausgemalt haben.
Mit einer Träne im Knopfloch verabschiede ich meinen alten Freund und entsorge den verholzten kahlen Strauch in der grünen Tonne. Was weg ist, ist weg! Es bleibt nichts so, wie es einmal war. Niemand weiß das besser als ein Fisch aus dem Rheinland. Ich werde mir morgen eine neue immergrüne Zimmerpflanze mit rosaroten Blüten besorgen.