Opa, Jesus und ich
Jeder Mensch hat Vorbilder. Für ein Kind sind es in der Regel die Eltern oder Großeltern. Für Kids und Jugendliche sind es Freunde und Klassenkameraden. Oder Pop-Sänger, Filmstars und Spitzensportler. Und für mich?
Oh je! Meine Eltern waren es nicht. Die kannte ich ja kaum. Meine Großmutter auch nicht. Die hatte ´ne Brille mit Gardinen aber keine Ahnung von Fußball. Dann schon eher mein Großvater. Der taugte aber auch nicht so richtig. Er konnte nicht Rollschuh laufen.
Jesus kam ebenso wenig in Frage wie Mohammed, der Prophet. Der Sohn Gottes konnte zwar angeblich über Wasser laufen und Tote erwecken, aber das würde ich nie lernen. Und Wasser in Wein zu verwandeln, war auch nicht mein Ding. Limonade schmeckte viel besser als Wein. Und von einem Prophet Mohammed hatte ich noch nie etwas gehört.
Meine Freunde wollten wie Tarzan oder Cassius Clay werden. Bescheuert! Ich hatte keine Lust wie ein Affe von Baum zu Baum zu schwingen. Ich wollte auch nicht der Größte aller Zeiten im Boxring werden sondern auf dem Fußballplatz. Genau wie mein Freund Toni. Aber der musste wirklich einen an der Klatsche haben. Er hatte rote Haare, war einen Kopf kleiner als ich, konnte keinen Ball fangen und wollte unbedingt ein großer Torwart werden.
Die Erwachsenen nach ihren Vorbildern zu fragen, brachte auch nicht viel. Da kam nur entweder ein „Ähh…Moment. Ich weiß nicht“ oder Mahatma Gandhi oder Mutter Teresa. Also ehrlich: Irgendwo einen Orden gründen und wochenlang hungern? Nicht mit mir. Auch die Suche in der Welt der Reichen und Schönen war vergeblich, ebenso der Blick auf Stars und Promis.
Zum einen sind die zu weit entfernt, zum andern kennen wir sie ja nicht richtig, wissen nicht, was hinter der Fassade steckt. Hätte ich dem einen oder anderen bekannten Sportler, umjubelten Popstar, erfolgreichen Unternehmer oder staatstragenden Politiker zum Vorbild genommen, säße ich wahrscheinlich heute noch im Knast. Nein danke! Niemand braucht Idole und Helden, die keine sind.
Im Lauf der Jahre habe ich viele bekannte Größen aus Politik und Wirtschaft, Kunst und Sport persönlich kennengelernt und erlebt. Und ich habe gesehen und erlebt: „Nobody is perfect.“ Dennoch haben mich einige von ihnen nicht nur fasziniert, sondern auch inspiriert. Genauso wie mir auch Männer und Frauen aus meiner direkten Umgebung mit ihren Ideen und Taten Anregungen für meinen eigenen Weg gegeben haben.
Menschen wie Nelson Mandela oder Reinhard Mey waren in verschiedenen Bereichen und auf einzelnen Wegstrecken – ebenso wie mein Nachbar Theo oder mein Freund Ernst – Richtschnur und Kompass für mich. Nicht mehr und nicht weniger. Es gibt niemand, dem ich blind gefolgt bin. Ich habe gelernt: “Be yourself, love yourself! “
AUS DEM LEBEN EINES FISCHES… MOMENTE UND MEHR