Ein Fisch im Behörden Spiegel
Fische sind auch in der Politik gefragt. Jedenfalls wurden bedeutende und bekannte Poltiker wie etwa Rosa Luxemburg, George Washington und Michail Gorbatschow im Sternzeichen Fische geboren. Aber wie gerät ein unpolitischer Fisch wie ich an einen Verlag, der eine Zeitung herausgibt, mit deren Seiten Otto Normalverbraucher lediglich nur tote Fische einwickelt?
Ich lernte die Verlagsgründer Helga Woll und R. Uwe Proll mehr oder weniger zufällig in einer Kneipe in Bonn-Endenich kennen. Und da ich zu jener Zeit wieder einmal einen Job suchte, kam mir das Stellenangebot als Anzeigenvertreter für den Behörden Spiegel in Bonn gerade gelegen.
Es ließ mein Herz zwar nicht höherschlagen, aber ich roch eine Chance, als freier Mitarbeiter mit monatlichem Fixum und Erfolgsprovision meinen Arbeitstag wie gewohnt selbst zu organisieren und mein Gehalt selbst zu bestimmen. Zudem bot sich die Aussicht, nicht nur „Anzeigenfuzzi“ zu werden und bleiben, sondern neue Orte und Menschen kennenzulernen, Neuigkeiten zu erfahren und vielleicht auch darüber schreiben zu können.
Und so war es auch. Ich profitierte von der Möglichkeit zum eigenverantwortlichen Arbeiten, genoss die familiäre Atmosphäre in dem noch kleinen Unternehmen und blieb auch bei der Arbeit im Umfeld von Medien für den Öffentlichen Dienst ich selbst. Bereiche wie Wehrtechnik, Beschaffung, Vergaberecht und Öffentliche Daseinsvorsorge überließ ich dem Chefredakteur und den lieben Kollegen. Ich sorgte für mich selbst, akquirierte vorzugsweise in der Reise- und der Automobilbranche und nutzte meine Kontakte auf dem diplomatischen Parkett.
Ja, es hat Spaß gemacht mit der Truppe (ich rede nicht von Streitkräften und Schützenpanzern). Ich denke an leise Weihnachtsfeiern und laute Sommerfeste, an halbtrockene Redaktionssitzungen und feuchtfröhliche Abende, an die Pressereise mit einem Bundespräsidenten nach Budapest und den Trip nach Südafrika auf Einladung aus Pretoria. Nicht zuletzt natürlich auch an das Spalier der Kollegen vor dem Standesamt in Bonn-Beuel nach meinem Ja-Wort zur dritten Ehe.
Auch die tägliche Arbeit entsprach meinen Erwartungen und ließ mir neben Kundenbesuchen die Zeit, auch schon einmal einen privaten Ausflug in die Eifel zu machen oder mir im Freibad die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Nebenbei lernte ich, wie damals eine Zeitung gemacht wurde. Die Texte wurden zwar schon am Computer erfasst, aber das Seitenlayout erfolgte nicht am PC-Bildschirm, sondern wurde als Klebeumbruch in Handarbeit gestaltet. Nicht selten durfte ich auf den letzten Drücker selbst Hand anlegen. Heute werden Zeitungsseiten komplett am PC oder am Laptop gebaut, inklusive der verkauften Anzeigen.
Von Mitte der 1980er Jahre bis 1994 habe ich die Entwicklung einer Zeitung miterlebt, die mit einer Druckauflage von über 100.000 Exemplaren monatlich zur auflagenstärksten unabhängigen Zeitung für den Öffentlichen Dienst in Deutschland geworden ist. Herausgegeben in einem Verlag, der heute unter der Leitung von Tochter Dr. Eva-Charlotte Proll auch online ein neues Kapitel seiner Erfolgsgeschichte schreiben will, während ich mich frage, was Osama bin Laden, Rudi Dutschke oder Karl V. wohl mit mir gemeinsam haben. Die einfache Antwort: Sie sind alle wie ich als Fisch geboren.




AUS DEM LEBEN EINES FISCHES… MOMENTE UND MEHR
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