Ein Fisch in der Eifel

Das Leben ist kein Ponyhof. Der Verlag steht kurz vor dem Konkurs. Meine Wohnung gehört der Bank und ich bin auf der Suche nach einer bezahlbaren Bleibe mitten in der Pampa aufgeschlagen – dort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Seit einem Jahr wohne ich in einem alten Bauernhaus in einem 100-Seelen-Dorf in der Eifel.

Durch das Tor zur Straße gelangt man in den Innenhof, um den sich Wohngebäude, ein Pferdestall und eine Scheune gruppieren. Elke, die den hinter einer weiß getünchten Fachwerkfassade versteckten ehemaligen Bauernhof gepachtet hat, wohnt im Haupthaus. Ich hause im Anbau mit Blick auf Scheune und Stall, in dem ein Hengst mit den Hufen scharrt und eine Stute wiehert.

In der Eifel sind nicht nur die Nächte kälter, auch die Wege sind weiter, egal ob zum Zigarettenautomaten, zum Supermarkt, zum Bäcker oder zur Kneipe. Heute ist Samstag und wir machen uns auf Schusters Rappen auf den Weg zur Sky Sportbar im Nachbarort. Nach sechs Kilometern durch Wald und Flur sind wir am Ziel. Hier kann ich im „Berger Hof“ bei einem Glas Bier die Spiele und Tore der Bundesliga live und in Farbe miterleben, während mein Mini begeistert Pfeile auf eine runde Scheibe wirft und auch zielsicher in die Mitte trifft. Auf dem Rückweg zum Pferdestall in der Pampa leuchten seine Augen im Dunkeln.

Ich schaue zu den Sternen am Eifelhimmel. Sie strahlen mich an, aber verraten nicht, dass ich schon bald nach Berg ziehen werde. Ich werde neue Freunde finden, eine Fußballmannschaft zusammenstellen, den „Berger Hof“ übernehmen und das ganze Dorf zur Eröffnung einladen. Mein Leben ist und war schon immer ein Ponyhof.