Putzfrau gesucht
Ehen sind manchmal kompliziert, im Allgemeinen und im Besonderen. Manche werden aus Liebe geschlossen, manche nur um nicht alleine zu sein. Wiederum andere aus praktischen Gründen. Und manche stehen nur auf dem Papier.
Seit meiner zweiten Scheidung lebte ich wieder alleine und stelle schon bald fest, dass Hausputz nach wie vor nicht zu meinen Stärken zählte und es wohl auch nie würde. Also gab ich eine Stellenanzeige auf: „Putzfrau gesucht.“
Zwei Tage später – ich war gerade im Bad – klingelte es. Mit einem Handtuch um die Hüften öffnete ich die Tür und da stand sie vor mir: Mary eine rassige junge Nigerianerin mit einem breiten Lächeln im Gesicht und riesigen Brüsten unter ihrer weiten Bluse. Ich bitte Mary höflich, im Wohnzimmer zu warten, bis ich mit meiner Morgentoilette fertig bin. Sie muss mich falsch verstanden oder die Tür verwechselt haben. Als ich frisch rasiert vom Bad zum Ankleiden ins Schlafzimmer komme, liegt meine Putzfrau in spe in meinem Bett und schaut mich mit ihren großen Augen erwartungsvoll an.
Was tun? „Der einzige Weg, eine Versuchung loszuwerden, ist ihr nachzugeben“, wusste schon Oscar Wilde. Ich lege mich zu ihr, atme die Hitze ihrer Haut und spüre die Feuchtigkeit ihrer Lippen auf meiner Haut. Kurzum: Fortan kommt meine „Putzhilfe“ einmal in der Woche, schrubbt den Boden. wischt Staub im Wohnzimmer, saugt den Teppich im Flur, säubert Küche und Bad, bezieht das Bett frisch und wartet darin auf mich. Bis sie plötzlich nicht mehr auftaucht – weiß der Geier wieso.
Auf meine zweite Anzeige meldet sich Ruta. Sie kommt mit nicht viel mehr als einer Zahnbürste im Gepäck aus Litauen, übernimmt die Stelle ihrer Vorgängerin als Putzfrau und zieht bei mir ein. Tagsüber lernt sie Deutsch. Abends zieht sie sich in ihr Zimmer zurück – mein ehemaliges Arbeitszimmer, das ich mit Bett, Schrank, Schreibtisch und Teppich für sie eingerichtet habe.
Ich schlafe wieder alleine im meinem Doppelbett und genieße das gegenseitige Einvernehmen mit der neuen Mitbewohnerin. Sie hält die Bude sauber, stellt aber keinerlei Ansprüche an mich und meine Männlichkeit. Wenn ich Lust auf Zweisamkeit habe, halte ich nach einer Partnerin für eine Nacht Ausschau. Die sind leicht zu haben und schnell wieder loszuwerden. Und das ist für alle Beteiligten gut so.
An einem schönen Sonntagmorgen – wir trinken zusammen Kaffee – überrascht mich Ruta mit der Frage: „Kennst du Mann für Hochzeit?“ Ihre Aufenthaltsgenehmigung würde bald ablaufen, sie aber wolle unbedingt in Deutschland bleiben. Dafür müsse ein Trauschein her. Und das sehr schnell, denn die Zeit sei knapp.
Ich weiß bis heute nicht, wie sie es innerhalb kürzester Zeit geschafft hat, die nötigen Papiere zu besorgen und die Damen und Herren vom Standesamt von unsere „Liebesheirat“ zu überzeugen. Kurz und gut: Sechs Wochen später sitzen wir vor einer freundlichen Standesbeamtin, tauschen geliehene Ringe und küssen uns – zum ersten und zum letzten Mal. Unser Deal ist offiziell besiegelt. „Scheinehe“ heißt das wohl auf Deutsch. Vielleicht auch „Schutzehe“

Die „Putz-Ehe“ verlief ausgesprochen harmonisch. Ich genoss weiter meine Freiheit, Ruta lernte weiter Deutsch. Dann kam dis Wohnung unter den Hammer. Ich zog in die Eifel, sie ins Vorgebirge. Vielleicht ist sie jetzt glücklich mit dem Rechtsanwalt verheiratet, der mir die vorbereiteten Papiere zur einvernehmlichen Scheidung schickte. Gut so! Ich heirate bestimmt nicht wieder. Auch gut! Aber nicht nur im Rheinland heißt es: Sag niemals nie!
AUS DEM LEBEN EINES FISCHES… MOMENTE UND MEHR
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