Es gibt Tage, da kommst du morgens einfach nicht aus dem Bett. Und es gibt Tage, da hüpfst du voller Vorfreude auf ein besonders Ereignis in den Tag. Ein solcher Tag ist heute: Claudia kommt.

Zum letzten Mal habe ich meine Tochter vor 10 Jahren gesehen. Und davor auch nur selten. Schon vor der Trennung von ihrer Mutter war ich kaum noch für sie da, danach haben sich unsere Wege getrennt. Wir haben hin und wieder telefoniert, bis sie eines Tages mit einem Kinderwagen bei mir auftauchte und fröhlich verkündete: „Du bist Opa geworden.“

Als sie Jahre später in der Tür des „Berger Hof“ stand, habe ich sie auf den ersten Blick nicht erkannt – nur die Stimme und ihr Lachen kamen mir bekannt vor. Das herzliche Lachen, mit dem sie mich heute wieder begrüßt hat. Jetzt sitzen wir zusammen vor einem Café, trinken Bier, rauchen und quatschen und quatschen. Ich stelle fest, dass ich eine Tochter habe, die viel mehr von mir hat, als sie vielleicht selber ahnt. Dabei hat sie sich immer beklagt, dass die „Knollennase“ das Einzige sei, das sie von mir mit auf den Weg bekommen habe.

Klar: Väter spielen im Leben ihrer Kinder – besonders der Töchter – eine ganz besondere Rolle, die prägend ist. Ein guter Vater genauso wie ein schlechter Vater. Ich selbst kann meine Vaterrolle nicht definieren. Ich weiß nicht, was einen guten Vater ausmacht. Sicher ist nur, ich war nicht der Vater, den sich eine Tochter wünscht. Ich war kein Bilderbuchvater, aber auch kein Tyrann. Ich war nicht der strenge und dominante Vater, vor dem sich nicht nur kleine Mädchen fürchten. Und auch nicht der Vater, der seine Prinzessin vergöttert und sie nicht loslassen kann. Die Erziehung und den Gefühlskram habe ich gerne Mutter, Oma und Tante überlassen.

Ich habe keine Ahnung, welche Rolle ich im Leben meiner Tochter gespielt habe oder noch spiele. Ich weiß nur, dass meine Tochter auch ohne väterlichen Rat und Hilfe ihren Weg gegangen ist. Und dass jeder sein eigenes Leben gelebt hat und lebt.

AUS DEM LEBEN EINES FISCHES… MOMENTE UND MEHR